KI-Workshop für Geschäftsführer: Agenda und Vorlage zum Mitnehmen
Der 3-Stunden-Workshop, mit dem Geschäftsführung Klarheit über KI-Use-Cases, Risiken und nächste Schritte gewinnt. Inkl. ausführlicher Agenda zum Selbst-Anwenden.
Es gibt zwei Sorten KI-Workshops 2026: solche, nach denen die Geschäftsführung „inspiriert" rausgeht und nichts passiert – und solche, die mit einem konkreten Pilot-Auftrag in der Kalenderwoche darauf enden.
Dieser Artikel beschreibt das zweite Format: einen 3-Stunden-Workshop für Geschäftsführer und Geschäftsführerinnen mittelständischer Unternehmen, der bewusst auf Inspirations-Folien verzichtet und stattdessen drei harte Ergebnisse liefert: priorisierte Use-Cases, eine Risiko-Map, einen Pilot-Beschluss.
Sie können den Workshop intern selbst moderieren (Agenda und Templates folgen unten) oder ihn von einem externen Moderator führen lassen. Beides funktioniert – Hauptsache, das Ergebnis steht am Ende auf Papier.
Wer sollte teilnehmen?
Maximal 8 Personen. Mehr verwässert die Diskussion. Empfohlene Besetzung:
- 1–3 Personen aus der Geschäftsführung (Sponsor + ggf. weitere Bereichsverantwortliche)
- IT-Leitung oder beauftragter technischer Champion
- Datenschutzbeauftragte/r oder Compliance-Funktion
- 1–2 fachliche Schlüsselpersonen aus dem Tagesgeschäft (Operations, Produktion, Mandanten-Betreuung – je nach Branche)
- Optional: externer Moderator mit KI-Praxis
Wichtig: keine reine Strategie-/Beratungsrunde. Mindestens 30 % der Teilnehmenden müssen aus der täglichen Praxis kommen. Sonst priorisieren Sie Use-Cases, die nichts mit der Realität der Mitarbeitenden zu tun haben.
Vorbereitung (1 Woche vor dem Workshop)
Drei Vorbereitungs-Punkte, die den Workshop von „okay" auf „wirksam" heben:
- Schatten-KI-Bestandsaufnahme. Eine anonyme 5-Fragen-Kurzumfrage an die Belegschaft („Welche KI-Tools nutzt du im Arbeitsalltag, auch wenn nicht offiziell erlaubt?"). Liefert Ihnen die Realität, statt Annahmen.
- Top-10-Frust-Liste. Jede teilnehmende Person bringt eine Liste der 5 nervigsten wiederkehrenden Aufgaben aus ihrem Bereich mit. Roh, ohne Vor-Filter.
- Datenquellen-Übersicht. Eine schlichte Liste der wichtigsten Wissens-Quellen (Dateifreigabe, DMS, Confluence, E-Mail, Fachanwendungen). Nur eine Liste, keine Inventur.
Mit diesen drei Inputs vor sich entsteht im Workshop substantielle Diskussion statt allgemeiner Eindrücke.
Die 3-Stunden-Agenda im Detail
Block 1 – Status quo (45 Min)
Ziel: ehrliche Aufstellung, wo das Unternehmen 2026 steht.
- (15 Min) Schatten-KI-Realität: Ergebnisse der Kurzumfrage, plus offene Diskussion. Welche Tools werden tatsächlich genutzt? Welche Daten landen darin? Wer hat das genehmigt (Spoiler: oft niemand)?
- (15 Min) Frust-Liste-Sammlung: Jede Person nennt ihre 5 wiederkehrenden Aufgaben. Moderator clustert auf Whiteboard / Miro: Schreiben, Recherche, Kommunikation, Berechnung, Prüfung, Datenextraktion, Reporting.
- (15 Min) Risiko-Wahrnehmung: Welche Risiken sehen wir bei aktueller Praxis? DSGVO-Verstoß durch Schatten-KI? Mandantengeheimnis-Bruch? NIS2-Audit-Risiko? Geschäftsführerhaftung?
Block 2 – Use-Case-Priorisierung (60 Min)
Ziel: 1–2 priorisierte Use-Cases, die der Pilot abdeckt.
- (20 Min) Use-Case-Brainstorming: Aus der Frust-Liste werden konkrete KI-Use-Cases destilliert. Jede Idee bekommt einen klaren Aufgaben-Satz: „KI-System X soll Aufgabe Y für Mitarbeitergruppe Z erledigen." Vage Ideen („KI für Marketing") werden konkretisiert oder verworfen.
- (20 Min) Bewertung mit zwei Achsen: Jeder Use-Case wird auf Whiteboard verortet. Achse 1: Wert (gespart Zeit × Anzahl betroffener Mitarbeitender). Achse 2: Aufwand (Daten verfügbar?, Komplexität der Logik?, Risiko?).
- (20 Min) Top-2-Auswahl: Die zwei Use-Cases mit dem besten Verhältnis Wert/Aufwand werden ausgewählt. Klassische Erstkandidaten: Internes ChatGPT-Äquivalent (hoher Wert, niedriger Aufwand, zieht Schatten-KI auf offizielle Plattform) und wissensbasierter Assistent für eine konkrete Mitarbeitergruppe.
Block 3 – Risiko und Compliance (30 Min)
Ziel: Risiko-Map, die die Geschäftsführung im Audit verteidigen kann.
- (15 Min) Risiko-Mapping der Top-2-Use-Cases: welche Datenkategorien werden verarbeitet, welche Empfänger sind beteiligt, welche Auftragsverarbeitungsverträge fehlen, welche Datenschutz-Folgenabschätzung ist nötig?
- (15 Min) Eindämmungs-Maßnahmen: Welches Hosting-Modell passt (on-prem, EU-Cloud, hybrid)? Welche technischen Controls sind nötig? Welche organisatorischen Schritte (Richtlinie, Schulung)?
Block 4 – Beschluss (45 Min)
Ziel: ein konkreter Pilot-Auftrag, mit Sponsor, Champion, Budget und Termin.
- (15 Min) Pilot-Scope verbal formulieren: „Wir starten in den nächsten 30 Tagen einen Pilot mit Use-Case A für Pilotgruppe B, Hosting-Variante C, mit den Erfolgskriterien D, E, F."
- (15 Min) Rollen-Klärung: Wer ist Sponsor (Geschäftsführung)? Wer ist Champion (IT-Leitung oder Person X)? Wer im Datenschutz? Wer in der Pilotgruppe? Externer Partner ja/nein – wer?
- (15 Min) Termine festlegen: Pilot-Start, Mid-Point-Review, 30-Tage-Bericht, nächstes Geschäftsführungs-Update. Alle Termine kommen direkt in den Kalender, bevor der Workshop endet.
Die DIN-A4-Vorlage zum Mitnehmen
Im Anschluss an den Workshop sollte das Ergebnis auf einer einzigen Seite stehen. Verwenden Sie folgende Struktur als Kopie für Ihren Beschluss:
KI-Pilot-Beschluss [Datum]
1. Use-Case 1
System: [Beschreibung]
Zielgruppe: [Mitarbeitergruppe]
Erfolgskriterien:
- [Messgröße 1]
- [Messgröße 2]
- [Messgröße 3]
2. Use-Case 2 (falls)
[analog]
3. Hosting-Variante: [on-prem / EU-Cloud / hybrid]
4. Pilotgruppe: [Anzahl] Personen aus [Bereichen]
5. Rollen
Sponsor (Geschäftsführung): [Name]
Champion (IT/Tech): [Name]
Datenschutz: [Name]
Pilotgruppe-Lead: [Name]
Externer Partner: [Name oder „intern"]
6. Termine
Pilot-Start: [Datum]
Mid-Point-Review: [Datum + 14 Tage]
30-Tage-Bericht an Geschäftsführung: [Datum + 30 Tage]
Folge-Workshop / Welle-2-Entscheidung: [Datum + 45 Tage]
7. Risiken und Eindämmung (Stichworte)
- [Risiko 1] → [Maßnahme]
- [Risiko 2] → [Maßnahme]
8. Pilot-Budget-Rahmen: [Betrag bis X]
Geschäftsführung freigegeben: [Unterschrift]
Workshop intern moderieren?
Wir schicken die ausgefüllte Vorlage als Beispiel und geben Ihnen ein 20-Minuten-Briefing – ohne Verkaufsgespräch.
Dieses 1-Seiten-Dokument ist nicht „bürokratisch" – es ist die Brücke zwischen Workshop und Pilot. Ohne es liegt der Workshop-Inhalt nach 14 Tagen in Vergessenheit.
Was im Workshop schiefgehen kann
Drei Muster, die Sie aktiv unterbinden sollten:
- „Lass uns lieber noch 3 Tage daraus machen." Drei Stunden mit klarem Beschluss schlägt drei Tage ohne Beschluss. Wenn die Diskussion ausufert, vertagen statt verlängern.
- Vendor- oder Tool-Diskussion in Block 2. „Sollen wir ChatGPT, Claude oder Mistral nehmen?" – das gehört nicht in den Workshop, sondern in die Pilot-Vorbereitung mit dem Champion.
- Reine Inspirations-Folien des Moderators. Wenn ein externer Berater 30 Min „KI-Trends 2026" erzählt, wird der Workshop für die Konkretisierung zu kurz. Solche Folien gehören in eine separate Vorbereitungs-Session, nicht in dieses Format.
Wenn Sie keinen externen Moderator wollen
Das Format funktioniert auch intern, sofern jemand die Disziplin durchhält, an der Agenda zu bleiben. Praktischer Tipp: Setzen Sie pro Block einen Timer auf das Whiteboard. Wenn er klingelt, wird zusammengefasst und weitergegangen.
Kostenloses Workbook
30-Tage-KI-Pilot-Workbook für den Mittelstand
Strukturierter Wochen-Plan, Erfolgskriterien-Vorlage, Stakeholder-Sheet und Pilot-Beschluss-Template – fertig zum Ausfüllen.
- Use-Case-Discovery-Worksheet mit Bewertungsachsen
- 4-Wochen-Sprint-Plan mit Tagesaufgaben
- Pilot-Beschluss DIN-A4-Vorlage
- KPI-Tracking-Sheet
Wo Sie als Nächstes weiterlesen
- "KI im Mittelstand einführen: Das 30-Tage-Playbook" – das, was nach dem Workshop passiert.
- "KI-Richtlinie für Mitarbeiter: Template + Erklärung" – das, was in Woche 4 verabschiedet wird.
- "NIS2 + KI: Geschäftsführerhaftung 2026" – die Haftungs-Seite, die im Risiko-Mapping zentral ist.
Wer den Workshop für sein eigenes Unternehmen vorbereiten möchte oder eine Moderation sucht: Direkt mit Nico Meyer, werktags 9–18 Uhr.

Autor
Nico Meyer
Geschäftsführer Code15 GmbH
Gründer von Code15. Baut seit 10+ Jahren Software für den Mittelstand – heute mit Fokus auf Private KI, RAG-Systeme und sichere KI-Einführung in regulierten Branchen.
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Direkt mit dem Gründer. Ohne Verkaufsgespräch, werktags 9–18 Uhr. Wir besprechen, ob und wie Private KI in Ihrem Unternehmen Sinn ergibt.
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